Neuseeland per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Rotorua

Die Wettervorhersage behält Recht. In der Nacht setzt heftiger Regen ein. Für die nächsten zwei Tage sieht es kaum besser aus. Wie gut, dass ich Extrem-Outdoor-Mensch mich rechtzeitig in ein gemütliches Hostel verkrümelt habe.

Wai-O-Tapu, Champagne Pool

Rotorua und Umgebung sind geprägt von geothermischen Aktivitäten. Mit dem Bus fahre ich ins Wai-O-Tapu Thermal Area. Zehn Minuten am Mud-Pool, zwanzig Minuten am Lady-Knox-Geyser, neunzig Minuten in Wai-O-Tapu und in zwanzig Minuten wieder zurück. So habe ich von 9 bis 12 Uhr alles gesehen und doch nichts wirklich. Dafür bin ich sicher, dass diese Art zu Reisen nichts für mich ist. Es bleibt festzuhalten, dass Wai-O-Tapu wirklich schön ist und man dort locker mehrere Stunden oder einen ganzen Tag verbringen kann. Höhepunkt ist ohne Frage der Champagne Pool. Seine Oberfläche ist 74°C heiß, die Blasen entstehen durch Kohlendioxid und das Orange stammt von Antimon.

Den Nachmittag verbringe ich in Te Puia, einem von den Maori verwalteten Park. Hier ist alles (deutlich) weniger spektakulär als in Wai-O-Tapu. Dafür regnet es mittlerweile Hunde und Katzen und ich bin stellenweise fast alleine. Ich schaue mir eine Vorführung traditioneller Maori-Tänze an. Im Kiwi-Haus sind Tag und Nacht für die nachtaktiven entengroßen, Bodenbrüter vertauscht.

Eigentlich sind Geothermalparks ideal für Regentage. Die Geisere, Schlammpools, heißen Quellen, Bäche und Seen strahlen derart viel Wärme ab, dass ich kaum mitbekommen habe, dass es sich auf schattige 15°C abgekühlt hat.

Am nächsten Morgen besuche ich das sehenswerte Rotorua Museum. Da ich der Einzige bin, der schon um 9 Uhr an einer Führung teilnehmen möchte, bekomme ich eine "Privatführung". Die Führung vermittelt eine gute Übersicht über die drei Hauptthemenbereiche: Historie des Badehauses, Geschichte und (menschliche) Geschichten des Vulkanausbruchs von 1886 sowie Maori-Kultur. Im Anschluss schaue ich mir im Museumskino den Film über den großen Vulkanausbruch von 1886 an, bei dem die berühmten Rosa und Weißen Sinterterrassen, im Bereich des heutigen Rotomahana-Sees, zerstört wurden. Führung und Film waren exzellent! Zum Abschluss verbringe ich noch einige Zeit in den Ausstellungen zum Vulkanausbruch und der Maori-Kultur.

Den Rest des Tages verbringe ich im Polynesian Spa. "Spa" ist das englische Wort für Mineralquelle. Der Polynesian Spa ist ein Bad mit heißen mineralischen Wasser. Es gibt drei heiße (39 - 42°C) und einen kühleren Pool (30°C). Der Polynesian Spa ist kleiner als gedacht, Grund ist die Unterteilung in unterschiedlich teure Bereiche. Dafür gibt es einen tollen Blick über Lake Rotorua. Der Eintrittspreis von 15 NZ$ ist schon üppig, bedenkt man, dass das heiße Wasser hier kostenlos zur Verfügung steht.

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

       


Hintergrundwissen: Vulkanismus

Neuseeland gehört (wie Japan) zum Pazifischen Feuerring, einer der tektonsich aktivsten Gegenden userer Erde.

Im Tongariro-Nationalpark erheben sich die Vulkane Ngauruhoe, Tongariro und Ruapehu. Der Ruapehu ist mit 2.797 m die höchste Erhebung der Insel. Neuseelands Vulkane zählen zu den aktivsten der Erde.

Rund um Rotorua gibt es so faszinierende geothermale Phänomene wie Geysire und Schlammtöpfe zu bewundern. Im Waimangu Volcanic Valley oder Wai-O-Tapu Thermal Area sind die selben Erscheinigen zu beobachten wie im weltbekannten Yellowstone-Nationalpark in den USA.

2011 wurde Christchurch von einem schweren Erdbeben getroffen.

Rotorua - Taupo, 105 km

Der Tag startet mit Sprühregen, wie schon die ganze Woche erreichen die Temperaturen kaum die 20°C-Marke. Auf dem Weg zum Waimangu Volcanic Valley versuche ich den belebten Highway 5 so gut es geht zu vermeiden. Die Waipa Mill Road ist zwar privat, aber absolut ruhig und schön zu fahren. Von der Highlands Loop Road hätte ich mal besser die Finger gelassen. Ich fahre nämlich erstmal die etwa 4 Kilometer lange Sackgasse in die Highlands rein. Zurück auf der Loop Road find ich raus, dass diese den Namen "Schleife" (loop) nicht mehr verdient hat. An ihrem Ende steht nämlich ein Weidetor, das sich nicht öffnen lässt. Da ich zu stolz bin, zurück zu fahren, hieve ich mein Rad über das Tor. Ziemlicher Aufwand, um 2 Kilometer nicht auf dem  Highway 5 fahren zu müssen.

Waimangui, Warbrick Terrassen

Als ich das Waimangu Volcanic Valley erreiche, klart es auf und hin und wieder schaut sogar die Sonne durch. Mein Rad steht trocken und sicher in einem Schuppen unterm Besucherzentrum, neben den Gerätschaften der Parkranger. Ein 3,6 Kilometer (mit Variante über Mt. Haszard Hiking Trail 4,1 Kilometer) langer Wanderweg führt durch das vulkanische Waimangu-Tal.Es blubbert und zischt an allen Ecken.Schwefelgeruch liegt in der Luft. Von den Seen und Bächen steigt Wasserdampf auf. Mineralische Ablagerungen und Blaugrünalgen färben den Bachlauf grün. Ich nehme mir viel Zeit, lese die ausführlichen Erläuterungen in dem Begleitheft, das ich am Eingang erhalten habe. Hervorzuheben ist der türkisblaue Infernokrater, dessen Wasser 80°C heiß und extrem sauer ist. Ein weiterer Höhepunkt ist die Warbrick-Terrasse mit ihren vielfarbigen, schnellwachsenden Silikatplattformen. Anders als in Wai-O-Tapu drängen sich hier keine Besuchermassen durch den Park, was ich als sehr angenehm empfinde. Der Weg endet am Rotomahana-See. Ich entschließe mich, die Gelegenheit wahrzunehmen und mache die Bootstour mit. Diese ist meinem Empfinden nach nicht so sehr ein Muss wie der Park.

Ein halbes Dutzend parkender Autos machen mich neugierig. Und tatsächlich, der Zusammenfluss eines heißen und eines kalten Flusses ist ein beliebter Badeplatz. Ich nutze die Gelegenheit für ein kurzes Bad und mache mich dann auf den Weg nach Taupo. Die Strecke über Reporoa und Broadlands ist nicht sonderlich aufregend, aber ruhig.

Kurz vor Taupo kommt es zu einer skurrilen Begegnung mit einem Bauer. Ich habe angehalten, um einige Bilder zu machen, was bei mir immer eine Weile dauert und mit der Suche nach der besten Perspektive verbunden ist. Dies ist einigen jungen Burschen, die mit ihren Quads auf der Weide unterwegs waren, wohl komisch vorgekommen. Denn nach kurzer Zeit fährt der Bauer mit seinem Pickup vor und spricht mich – in einem durchaus energischen Tonfall – darauf an, ob ich seine Kühe fotografieren würde. Ich bin irritiert und antworte, dass mein Interesse eher den Bergen im Hintergrund gelte. Das lässt er gelten, wünscht mir einen schönen Tag und fährt wieder davon. Manche Dinge muss man wohl nicht verstehen!

Erst um 20 Uhr erreiche ich den Top10-Campingplatz in Taupo. Es wird kalt und ich wärme mich mit Instant-Nudeln und einer heißen Dusche, bevor ich todmüde in die Kiste falle.

Strecke in Google Maps anzeigen: Rotorua - Taupo

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

             


Taupo

Lake Taupo, Ngatoroirangi

Meine erste Station sind heute die Huka Falls. Schon die Größe des Parkplatzes macht deutlich, dass es sich um eine typische Touristenattraktion handelt, die man sich getrost sparen kann.

Mit dem Steamboat Alice geht es entlang der Jerusalem Bay, Whakamoenga Point und Okuta Bay zur Mine Bay. Dort haben 1979 die Maori-Künstler Matahi Whakataka-Brightwell und John Randall eine 10 Meter hohe Ahnenmaske in den Fels graviert. Ngatoro-i-rangi soll Lake Taupo vor den allgegenwärtigen Gefahren durch vulkanische Aktivitäten schützen. Namensgeber ist ein hoher Maori-Priester der, der Maori-Legende nach, den Vulkanismus nach Neuseeland gebracht haben soll. Auf der Rückfahrt schüttet sich der Himmel über uns aus. Ich muss an die Kajakfahrer denken, die wir bei den "Rock-Carvings" gesehen haben, jetzt beneide ich sie nicht mehr.

Früher hatte ich schon mal das Problem, dass mir die Filme ausgegangen sind. Im Zeitalter der digitalen Fotografie gibt es ganz andere Probleme zu meistern. Meine vier 2 GB Speicherkarten sind voll. Also ab ins Internetcafé. Was als halbstündige Aktion gedacht war, artet zur Nachmittag füllenden Aktion aus. Bruce, der Manager des Internetcafés, hat zwar einen DVD-Brenner, aber nur in seinem Rechner. Also sitze ich mit ihm hinterm Tresen und hangel mich von einem Problem zum nächsten. Sein Rechner hat nur USB 1.0, womit die Datenübertragung 30 Minuten dauern würde – pro Karte! Also sichern wir die Daten auf seinem zweiten Server, der USB 2.0 hat. Dort geht uns aber schnell der Festplattenplatz aus, woraufhin wir anfangen, alte Daten zu löschen. Zwischendurch immer wieder Kundschaft. Netzwerklaufwerk einrichten, um vom ersten Server aus auf die Daten auf dem zweiten Server zugreifen zu können. Und dann gibt es Probleme mit den DVD-Rohlingen, der Brenner erkennt weder meine noch seine. Schade eigentlich! Ich harke die Aktion in der Rubrik "interessante Erfahrung" ab, wahrscheinlich hätte ich am Ende Bruce für einige Tage vertreten können. Bruce sah die Sache wohl ähnlich, zumindest hat er kein Geld von mir gewollt.

Da meine Daten aber immer noch nicht gesichert sind, führt mich mein Weg nun in den Kodak-Shop. Zwei Stunden Aufwand und 36 NZ$ erscheinen mir jetzt nicht mehr zu viel. Jegliche Überlegungen, heute noch nach Turangi zu fahren haben, sich aber endgültig erledigt. Als Bleibe für die Nacht fällt meine Wahl auf die Rainbow Lodge. Ein vergleichsweise großes Hostel, trotzdem echt o.k. und zu Recht eines der beliebtesten Hostels in Taupo.

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

     


Taupo - Turangi, 55 km

Es ist saukalt, ich fahre mit Knielingen, Armlingen und Windweste los. Dafür habe ich klare Sicht auf  die Berge des Tongariro National Park, was nicht alle Tage vorkommt. Es ist wirklich saukalt. Ich ziehe die warmen Handschuhe an und zippe die Ärmel an die Weste. Besonders die Strecke hinter Waitahanui, durch den Wald, ist kalt. Es folgen einige wenig interessante Motorcamps am See. In Mission Bay wird’s eng und kurvig. In Motuoapa lege ich einen Kuchen- und Cappuccino-Stopp ein. Für 9 NZ$ bekomme ich zwei leckre Stück Kuchen und einen klasse Cappuccino. Das Café bildet eine Einheit mit einem kleinen Laden (dairy) und einer Tankstelle und ist auch Anlaufstelle für einige Handwerker.

Turangi wirkt auf mich nicht sonderlich spannend. Es gibt einen Supermarkt und Busse (shuttles) zum Tongariro Crossing. Der Stopp an der Touristeninformation (I-Site) ist recht ausgedehnt und mündet in der Planung für die nächsten vier Tage. Zwei im Riverstone Backpackers in Turangi und zwei in der Howards Lodge in National Park Village. Nun ist alles in trockenen Tüchern und die Weihnachtsfeiertage können kommen.

Der Rechner im Wohnzimmer des Riverstone Backpackers hat sowohl einen Kartenleser als auch einen DVD-Brenner - ich muss fast laut loslachen als ich es sehe. Ich kaufe noch einen Zehnerpack DVDs und mache eine zweite Sicherung meiner Bilder.

Strecke in Google Maps anzeigen: Taupo - Turangi

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

     


Tongariro Crossing

Um 5 Uhr stehe ich reichlich verknautscht auf und bin überrascht, in der Küche vier Mitbewohner anzutreffen. Gemeinsam frühstücken wir und fahren mit dem Bus zum Tongariro Crossing. Josh, unserer Fahrer, ist ein junger Kerl mit Lockenkopf, der uns mit lockeren Sprüchen unterhält und einstimmt.

Tongariro Crossing, Laverformation

Meine Radschuhe taugen nicht für die Wanderung über Lava und Geröll, daher leihe ich für 5 NZ$ welche im Bus. Es ist kalt und bewölkt. Aber, wie versprochen, ist unser Bus, mit rund 45 Wanderern, der einzige der, seine "Schützlinge" schon um 7 Uhr aufs Crossing loslässt.

Der Tongariro National Park ist der älteste Nationalpark Neuseelands. Er wurde von der UNESCO zum kombinierten Weltkulturerbe und Weltnaturerbe erklärten. Tongariro besticht durch seine landschaftlichen Gegensätze. Im Zentrum des Parks liegen die aktiven Vulkane Tongariro (1968m), Ngauruhoe (2291m) und Ruapehu (2797m). Auf dem Gebiet des Nationalparks befinden sich mehrere Kultstätten der Maori, die die Vulkane als heilig verehren.

Das Tongariro Crossing gilt als die beliebteste Tageswanderung Neuseelands. Ausgangspunkt ist das Mangatepopo Valley (1100m). Der erst Abschnitt ist recht flach. Ich mach einen Abstecher zu den Soda Springs. An den Devils Staircase (1400 - 1600m) wird es steil und schnell richtig kalt. Ich erinnere mich an das Faltblatt, das ich zuvor gelesen habe, und erkenne die unterschiedlich alten Lavaströme. Unglaublich, wie man einigen Formationen ihren ehemals flüssigen Zustand noch heute ansehen kann. Besonders zwischen South Crater und Red Crater (1886m) bläst ein höllischer Wind und es schneit leicht. Die Krater sind kaum zu sehen, dafür sind die Ausblicke in die Täler spektakulär. Es folgt der steile Abstieg zu den Emerald Lakes – für mich der Höhepunkt der Wanderung. Dort gibt es etwas Windschatten und Wärme aus der Tiefe. Es stinkt nach Schwefel.

An der Ketetahi-Hütte ist gut was los. Zwischen den Leuten vom Crossing finden sich hier auch Wanderer von Circuit, einer Drei-Tages-Wanderung. Ich esse und trinke kurz was und gehe dann weiter.

Von der Hüte aus geht es erst über den heißen Strom der Ketetahi-Springs. Hier fesseln mich die vielfarbigen Ablagerungen an den Steinen. Es geht weite abwärts durch Bush- und Grasland, bis schließlich der Cool Podocarp-Hardwood-Wald erreicht ist. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie die Vegetation oben im Bereich um die Krater sehr spärlich und versteckt gedeiht, im Verlauf des Abstiegs stetig zunimmt und unten einen üppigen Regenwald bildet.

Nach rund sieben Stunden und 17 km tun mir die Beine weh. Das Tragen schwerer Schuhe bin ich einfach nicht gewöhnt. Auf dem Parkplatz wimmelt es von Leuten. Es ist warm und sonnig, ich lege mich ins Gras und mache etwas die Augen zu. Die 45 Plätze im ersten Bus sind schnell belegt, ich bin nicht dabei. Also lege ich mich noch mal für eine Dreiviertelstunde ins Gras.

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

         


Taurangi - National Park Village, 70 km

Mahuia Rapids

Es geht zwar bergauf und ich habe Gegenwind, aber das ist alles halb so wild. Der Highway 47 ist kaum befahren, das kann aber auch daran liegen, dass Heiligabend ist. Es bleibt soweit trocken und es scheint die Sonne. Nach und nach bewölkt es sich. Der Wind ist kalt.

An der Nordspitze des Lake Rotoaira weckt ein kleiner Parkplatz meine Neugierde. Er gehört zu einem kleinen Park/Kultstätte – so genau bekomme ich es nicht raus. Jedenfalls ist der Ausblick über den See auf den Tongariro National Park wunderschön. Einige Kilometer später stoppe ich, da ein PKW und ein Kleinbus mit Warnblinklicht am Straßenrad stehen. Es ist eine indische Großfamilie, die angehalten hat um Fotos zu machen. Jetzt scharrt sich die halbe Familie um mich und mein Rad und schießt Fotos von mir. Echt klasse! Nachdem die Inder weitergefahren sind sitze ich noch anderthalb Stunden da und genieße den Ausblick über gelbe Büsche auf den Tongariro National Park. Meine Hoffnung, dass die Wolken die Gipfel freigeben, erfüllt sich aber nicht.

Ich komme wieder nur einige Kilometer weit, bis die Mahuia Rapids meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eigentlich direkt an der Straße und doch ganz unscheinbar, stürzt der Whakapapa River in mehreren kleinen, aber feinen Kaskaden gen Norden. Ich turne in meinen Radschuhen über die glatten Felsen auf der Suche nach der besten Fotoperspektive.

Wenige Kilometer später komme ich an einer einfachen DOC-Campsite vorbei. Die Ausstattung bestehet aus einem Plumpsklo und einer unendlich geilen Aussicht. Ich komme mir ein wenig verweichlicht vor mit meiner ganzen Hostel-Bucherei. In National Park Village gibt es eine Tankstelle mit einem 4-Square-Laden, die Auswahl ist ganz brauchbar. Howards Lodge ist hotelähnlich, ich habe mein eigenes Zimmer mit Bad. Schade, dass hier so viel los ist wie auf der DOC-Campsite, nämlich gar nichts.

Ich nutze die Gelegenheit und wasche meine Sachen. Dabei fällt mir auf, dass mein Handtuch fehlt, muss es wohl in Turangi liegen gelassen haben. So was Blödes!

Strecke in Google Maps anzeigen: Taurangi - National Park Village

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

   


Weihnachten

Über Nacht hat es sich zugezogen. Es regnet. So verabschiede ich mich endgültig von dem Gedanken, heute doch noch weiter zu fahren.

Beim Frühstück treffe Pandore und Ada aus Melbourne. Sie planen gerade ihren Tag, wollen Richtung Rotorua, die Geothermalparks anschauen. Ich schließe mich ihnen an, spiele Reiseführer.

Wir fahren erst zu den Huka Falls und anschließend nach Wai-O-Tapu, wo wir um 12 Uhr eintreffen. Letzter Einlass war um halb zwölf. Auch das Waikite Valley hat geschlossen. Die Aussage, dass der Weihnachtsfeiertag der Tag in Neuseeland ist, an dem wirklich alles zu hat, scheint sich zu bewahrheiten. In Waimangu haben wir Glück. Auch das Wetter ist hier jetzt richtig schön. Da ich meine Visa-Quittung noch habe, brauche ich nicht noch mal zu bezahlen. Das ist fair. Anschließend geht es zu den Craters of the Moon. Parkplatz und Kassenhäuschen sind verweist. Wir sind alleine in der blubbernden und dampfenden Landschaft und blödeln ziemlich rum.

In National Park Village sind die Straße nass. Wir erfahren, dass es den ganzen Tag geregnet hat. Also haben wir es genau richtig gemacht. Auch wenn ich viel lieber auf dem Rad gesessen und was Neues gesehen hätte.

National Park Village - Wanganui, 160 km

Waimanganui River Road, Wasserfall

Das Wetter ist gut, leicht bewölkt, zum Teil sogar sonnig, es weht ein leichter Wind aus Süden.

In leichten Wellen geht es abwärts, die Kilometer fliegen vorbei. Es sind ganze Horden Motorradfahrer unterwegs. In Raetihi stoppe ich an der Tankstelle, versorge mich mit Wasser und trinke einen Kaffee.

Auf dem Weg Richtung Pipiriki, muss ich hinter einer Herde Schafe etwas warten. Der Schäfer findet es etwas tough, die Waimanganui River Road mit dem Rad zu fahren. Es wird warm. Die ruhige Alternative zum Highway 4 führt durch ein enges Flusstal, das vor allem im oberen Abschnitt von dichtem Wald gesäumt wird. Rund 75 km lang ist die Straße eine Schotterpiste, an vielen Stellen ausgewaschen und allgemein recht rau. Neben viel Einsamkeit gibt es einige schöne Kleinode, wie den kleinen, versteckten Wasserfall.

Ich komme deutlich schneller voran, als erwartet. Jerusalem, wo ich zelten wollte, erreiche ich bereits am frühen Nachmittag. Mir kommt ein Pärchen aus Deutschland entgegen. Gehören eindeutig zur extremeren Sorte – Vorderradtaschen nehmen sie nur bei längeren Touren mit. Länger heißt 1 Jahr und mehr. Haben gerade mal wieder gekündigt, um 6 Monate mit dem Rad durch Neuseeland zu fahren.

Kurz vor Ende der Waimanganui River Road ist eine knackige Steigung zu überwinden. Oben angekommen, mache ich eine kurze Rast. Ein Maori-Pärchen sitzt im Auto und raucht. Ich frage nach Wasser, habe meine 3,5 Liter bereits getrunken. Sie sind fast untröstlich, dass sie kein Wasser haben. Geben mir eine Mango. Lecker! Auch ich sehe ziemlich lecker aus, nachdem ich die Mango gegessen habe. Während ich mich stärke, unterhalten wir uns ein wenig. Allein die Vorstellung, alleine in einem Land zu reisen, das sie nicht kennen, ist ihnen absurd. Aber sie sind wirklich sehr nett, geben mir noch eine zweite Mango, dass ich ja nicht verdurste.

Auf den letzten Kilometern sitzt mir dann doch die Dunkelheit im Nacken. Erst um 21 Uhr komme ich an der Tamara Backpackers Lodge in Wanganui an und darf mein Zelt im Garten des Hostels aufschlagen. Um 22 Uhr liege ich todmüde im Schlafsack.

Strecke in Google Maps anzeigen: National Park Village - Wanganui

Wanganui - Wellington, Bus

Wellington, Parlamentsgebäude

Die Strecke nach Wellington ist vergleichsweise unattraktiv und stark befahren. Daher lege ich sie mit dem Bus zurück.

Es geht erst nach Palmerston North, eine größere Stadt, mit einigen netten Ecken. Der zentrale Platz ist schön gestaltet, das große Einkaufszentrum (mall) bietet alles, auch an Rad-, Outdoor- und Buchläden herrscht kein Mangel. Ich kaufe ein neues Handtuch.

Vor der Hauptstadt Wellington staut sich der Verkehr auf dem hier vierspurigen Highway 1.

In Wellington ist es windig, aber trocken. Ich suche im Bahnhof und Umgebung einen Ort, an dem ich mich hinsetzen und einen Kaffee trinken kann. Find aber keinen. Das Terminal der Bluebridge-Fähren ist gerade um die Ecke; um zum Terminal der Interislander-Fähren zu gelangen, muss ich etwa 2,5 Kilometer auf den stark befahrenen Waterloo Quay und Aotea Quay stadtauswärts radeln, was kein so großer Spaß ist. Die Fähre hatte ich kurzfristig übers Internet gebucht. Ein Papierticket brauche ich nicht, nur eine Boarding Card. Die können sie mir aber erst morgen ausstellen.

Entlang der Waterfront wusel ich zur I-Site und buche dort die Jugendherberge (YHA). Das Haus ist riesig, aber gut. Das Rad steht sicher in der "Bike Cave" im zweiten Stock. Der Zugang ist über Chipkarten geregelt.

Das Museum of New Zealand - Te Papa Tongarewa liegt gerade um die Ecke. Das beeindruckende Museum kostet keinen Eintritt und fesselt mich gut drei Stunden lang. Diesmal verbringe ich besonders viel Zeit in einer Ausstellung, die sich mit der jüngeren Geschichte Neuseelands befasst. Anschließend fahre ich mit dem Cable-Car zu den Governmental Gardens, gehe von dort aus zum Parlament – das wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Bienenkorb auch "Beehive" genannt wird – und durch die Einkaufsstraße wieder zurück. Dort sind um 19 Uhr die Schotten schon dicht.


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