Neuseeland per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Queenstown - South Mavora Lake, 63 km

Des Morgens ist es regnerisch und windig. Die 116 Kilometer nach Te Anau führen größtenteils über Schotter. Darauf habe ich bei diesem Wetter eigentlich keine Lust. Andererseits ist auch Queenstown nicht so wirklich mein Fall.Ich bin unentschlossen – fahren oder bleiben? Trinke erstmal einen Kaffee im Patagonia Café (wohl dem besten Ort für heiße Schokolade) und später eine heiße Schokolade im Starbucks (anders herum wäre wohl cleverer gewesen).

Walter Peak Station - South Mavora Lake, Furt

Gegen Mittag klart es auf. Ich nehme die 14 Uhr Fähre über den Lake Wakatipu nach Walter Peak Station. Die Fähre ist ein altes, dampfbetriebenes Boot, das auch Fahrräder mitnimmt. Die Überfahrt dauert eine Dreiviertelstunde. Walter Peak Station ist eine alte, herrschaftliche Farm, auf der geführte Touren angeboten werden. Die Strecke bis South Mavora Lake ist Privatland, wildes Zelten also tabu.

Es ist warm und sonnig bis bewölkt. In den Bergen ringsum hängt noch Regen. Der Schotter ist rau, die Anstiege schwierig zu fahren. Die Strecke führt direkt durch Kuh- und Schafweiden. Das bedeutet zum einen, alle paar Kilometer ein Weidetor zu öffnen und wieder zu schließen. Auf die Tiere wirken Radfahrer wohl bedrohlich, einige Schafe und Kühe laufen zum Teil weite Stücke vor mir her oder wechseln plötzlich über die "Straße". Bei Kühen mit Jungtieren überkommt mich dann schon mal ein ungutes Gefühl.

Es kommt Gegenwind auf. Zwei Flüsse sind zu durchqueren. Die erste Furt schätze ich falsch ein, in der Mitte ist sie fast 30 Zentimeter tief und der Widerstand zu groß zum Fahren. Ich stütze mich mit dem rechten Fuß ab, woraufhin der Schuh volläuft – habe ich toll hinbekommen! Die zweite Furt ist dann o.k.

Gegen 20 Uhr bin ich an der DOC-Campsite am South Mavora Lake. Ich will früh ins Bett und lange schlafen. Aber erst kommen meine "Freunde", die Sandfliegen, und dann bemerke ich ein Loch in der Isomatte. Scheiße! Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Ich hatte die Matte zum Aufblasen aufs Zelt gelegt und sie fiel zwei Mal runter. Kann aber keinen Verursacher ausmachen, alles ist weich. Flicke die Matte notdürftig mit Pflaster – hält nicht.

Aber trotzdem, was für ein Unterschied, hier ist es vollkommen ruhig. Der Wald dufter angenehm, ein wenig nach Thymian.

Strecke in Google Maps anzeigen: Queenstown - South Mavora Lake

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

     


South Mavora Lake - Manapouri, 105 km

Die Sandfliegen ärgern mich trotz Insektensprays. Beim Frühstück laufe ich die ganze Zeit umher, um sie mir einigermaßen vom Hals zu halten.

South Mavora Lake, Schafe

Der Gegenwind ist heute sehr stark, aber es ist sonnig und warm. Ohne Windstopperweste geht aber nix. Heute ist mehr Verkehr – schon während der ersten Stunde kommen mir drei Autos entgegen. Am Horizont sehe ich eine Staubwolke, die sich langsam auf mich zu bewegt. Es ist eine große Herde Schafe, hunderte von Tieren. Ich bleibe stehen und zücke die Kamera. Die Tiere stoppen und schauen mich belämmert an. Vor mir erstreckt sich ein mehrere hundert Meter langes Meer aus Schafen, im Hintergrund die Takitimu Mountains - was für ein Bild!

Am Highway 94 angekommen, bin ich tatsächlich froh, wieder Asphalt unter die Räder zu bekommen. Das Fahren auf Schotter strengt doch mehr an und erfordert vor allem mehr Konzentration. Der Gegenwind scheint stärker zu werden, der Verkehr ist aber moderat. Den Aussichtspunkt auf die Takitimu Mountains habe ich für mich alleine.

Nach Te Anau rein geht es leicht bergab. Der Gegenwind scheint mich zurückschieben zu wollen, trotz Tretens komme ich kaum voran. In Te Anau begebe ich mich erstmal auf die Suche nach dem Therm-A-Rest-Reperaturset. Sieht aber mau aus. Auch eine brauchbare Alternative kann ich nicht finden. Ich ärgere mich! Damit hat sich nämlich auch die Strecke nach Milford Sound endgültig erledigt. Te Anau ist ein recht netter Ort. Alle wichtigen Sachen sind vorhanden und trotzdem kam er mir nicht laut oder überlaufen vor.

Im Sandfly-Café gönne ich mir ein leckeres Lachs-Sandwich, Karottenkuchen, Blaubeerkuchen (blueberry cake) und zwei Cappuccino. Da es draußen recht windig, ist verkrümele ich mich nach drinnen aufs Sofa.

Manapouri besteht aus kaum mehr als zwei Dutzend Häusern, einem Campingplatz einem Dairy,einem Hotel und dem Anleger von Real Journeys. Ich gönne mir den Luxus eines Hotels. Für 36 NZ$ bekomme ich drei Betten und ein Bad für mich. Und das Ganze mit Blick auf Lake Manapouri.

Strecke in Google Maps anzeigen: South Mavora Lake - Manapouri

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

       


Doubtful Sound

Am Himmel hängen einige Schleierwolken.

Die Fahrt auf Lake Manapouri ist stürmisch, das kleine Boot saust mit hoher Geschwindigkeit über das Wasser, die Wellen gischten drei bis vier Meter hoch. Das Panorama ringsum ist atemberaubend. Der See ist umgeben von hohen, steil aufragenden und dicht bewachsenen Bergen.

An der Manapouri Underground Power Station wechseln wir vom Boot in den Bus. Ein 2 Kilometer langer Tunnel führt rund 200 Meter tief in den Fels, wo wir die sieben Turbinen sehen können. Es ist das größte Wasserkraftwerk Neuseelands und leistet etwa 600 Megawatt. Der Bau in den 1960er Jahren war von heftigen Protesten begleitet, die dazu führten, dass große Anstrengungen unternommen wurden, den Eingriff in die Umwelt so gering wie möglich zu halten.

Doubtful Sound, Delphine

Am Wilmot Pass quält sich der Bus ziemlich. Die Straße wurde zum Bau des Kraftwerks angelegt. Alle Maschinen und Baumaterialien wurden über den Doubtful Sound eingeschifft und dann über den Pass transportiert. Leider verschlechtert sich das Wetter zunehmend. Als wir den Pass überqueren, blicken wir in eine tiefgraue Suppe, es regnet. Natürlich muss man im Fjordland mit solchem Wetter rechnen, aber man hofft halt doch immer, dass es anders kommt.

Doubtful Sound ist ein stark verzweigter, abwechslungsreicher und überaus grüner Fjord. Aufgrund der häufigen und ergiebigen Regenfälle liegt eine mehrere Meter dicke Süßwasserschicht auf dem Meerwasser. Ausgewaschene Pflanzenreste absorbieren Licht, wodurch Korallen, die normalerweise nur in größeren Tiefen vorkommen, hier bereits wenige Meter unter der Wasseroberfläche anzutreffen sind. Zu den Bewohnern gehören Delphine, Pinguine und Seerobben.

Am Anleger in Deep Cove wechseln wir in den großen Katamaran Patea Explorer. Die steilen, grünen Berge ragen hoch neben uns auf und verschwinden dann in den tief hängenden Regenwolken. Wir fahren weit raus in den Fjord zu den Seerobben- und Pinguin-Kolonien. In einem Seitenarm sehen wir Delphine. Sie stören sich nicht am trüben Wetter, schlagen neben der Patea Explorer fröhlich Purzelbäume. Gigantisch!

Und dann sitze ich im Bus nach Queenstown und die Sonne scheint von einem blauen Himmel. Als wir am Lake Wakatipu am Fuße der Remarkables entlangfahren, wünsche ich, ich könnte aussteigen und mich aufs Rad setzen. So ein geniales Abendlicht. Die Strecke bis dort war aber eher nicht so toll.

Mein erster Weg führt mich in einen großen Outdoorladen, aber auch dort ist das original Therm-A-Rest-Reperaturset nicht vorrätig. Man empfiehlt mir transparenten Flicken für Gummistielen und Schlauchboote. Ich bin erst skeptisch, werde aber schon diese Nacht wieder auf einer dichten Isomatte schlafen.

Heute ist das Lake View Motor Camp halb leer. Ich suche mir eine ruhige Ecke und haue mich aufs Ohr.

Queenstown - Curio Bay, 105 km

Die daheim gemachten Überlegungen und Planungen nicht stur durchzuziehen, sondern flexibel den Entwicklungen anzupassen ist ja schön und gut, kann einen aber auch in die Bredouille bringen. Heute morgen stecke ich in einer solchen. Ich habe noch zwölf Tage, deutlich mehr, als ich für die Strecke über den Lindis Pass und Mount Cook nach Christchurch brauche. Daheim hatte ich mich dazu entschlossen, die Catlins nicht zu fahren. Phil hingegen hatte sie in Fox Glacier als einen seiner Höhepunkte bezeichnet und Janine hatte ihm zugestimmt.

Catlins

Ich werfe eine Münze, ignoriere das Ergebnis und kaufe ein Busticket nach Invercargill. Diesmal ist es ein kleiner Zwanzigsitzer-Bus, dass Rad fährt im Anhänger mit.

Mittags bin ich in Invercargill. Die Innenstadt macht auf mich einen unattraktiven Eindruck. Einige Ecken sind ganz nett, das meiste ist aber quadratisch, praktisch, hässlich. Mehr aus Gewohnheit und Neugierde als mit einem bestimmten Ziel gehe ich in den Outdoorladen. Und wie sollte es anders sein, hängen dort natürlich noch ein halbes Dutzend Therm-A-Rest-Reperatursetss rum. Aus lauter Trotz kaufe ich eins – von den Gummibootflicken habe ich auch noch drei.

Die ersten fast 50 Kilometer bis Fortrose lasse ich es laufen. Die Strecke führt durch wenig aufregendes Farmland. Die Straße ist leicht wellig, der kräftige Süd-Ost-Wind schiebt. Die Sonne scheint, es ist warm. Nach zweieinhalb Sunden bin ich in Fortrose. Dort gibt es ein kleines Café/Touristeninformation. Ich bin der einzige Gast. Aber Heidewitzka, der Cappuccino kann sich sehen lassen, lecker!

Ich biege ab auf den Catlins Highway, eine schmale, ruhige Nebenstraße. Nach und nach wird die Landschaft wilder und interessanter. Die Bäume sind vom Wind nach Osten "gekämmt". Hinter dichten Hecken erstrecken sich Schafweiden. Der Leuchtturm am Waipapa Point ist nur über eine etwa 4 Kilometer lange geschotterte Sackgasse zu erreichen. Der Leuchtturm an sich ist eher klein und schlicht, am felsigen Strand gibt es aber jede Menge Gezeitentümpel (tidepools) und die Brandung bricht sich recht anschaulich an den Felsen.

Danach ist der Catlins Highway noch etwa 10 Kilometer lang asphaltiert, bevor es bis Curio Bay auf Schotter weitergeht. Die Aufs und Abs kosten Kraft. Ich ernte einige anerkennende Kommentare von Campern und Autofahrenen – tut auch mal gut, ist aber auch wirklich anstrengend, die Fahrerei hier. Die Fahrzeuge, die mir auf dem Catlins Highway begegnen, kann ich an zwei Händen abzählen. Da es trocken ist, stauben mich die Autos aber jedes Mal ein.

Als ich nach sieben anstrengenden Schotterkilometern (die ich wieder zurück muss, da Sackgasse) und einem ordentlichen Fußmarsch am Slop Point stehe, komme ich mir erstmal veralbert vor: Südlichster Punkt der Sündinsel – tolle Wurst. Wie gut, dass sich einige Meter weiter das Meer einigermaßen spektakulär an der Steilküste bricht. Ich setze mich einige Zeit hin, genieße das Schauspiel und mache Fotos.

Die letzten Kilometer bis Curio Bay habe ich zu knabbern. Als ich am Abend den Campingplatz erreiche, macht der Manager gerade das Büro zu. Er meint ich solle mir ein Plätzchen suchen und morgen bezahlen. Eine Seerobbe, faulenzt mitten auf dem Campingplatz.

Strecke in Google Maps anzeigen: Invercargill - Curio Bay

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

       


Curio Bay - Owaka, 105 km

Den versteinerten Wald (petrified forest) finde ich erst im zweiten Anlauf. Er ist nur bei Ebbe zu sehen. Schon irre, dass 180 Millionen Jahre alte Bäume noch so aussehen, als könne man sie mitnehmen und ein Feuer damit machen. In Curio Bay gibt es auch eine Kolonie der seltenen Gelbaugenpinguine (yellow-eyed penguin). Die Tiere kommen des Abends und gehen des Morgens. Gestern Abend war ich wohl zu spät dran. Heute Morgen war ich eigentlich zur rechten Zeit am rechten Ort, aber es sollte wohl nicht sein – schade!

McLean Falls

Im Niagara Falls Café trinke ich meinen Cappuccino, dazu gibt es Karottenkuchen. Heute ist es zwar auch warm, aber recht stak bewölkt. Es bläst ein kräftiger Wind. Die Niagara Fälle (von Neuseeland) sind als Gag gemeint. Einige kleine Stromschnellen sehen (mit etwas Phantasie) aus wie die Niagara Fälle. Irgendein Vermesser fand es lustig und jetzt steht das Ding sogar in den Karten drin. Na wenigstens ist es nicht weit von der Straße.

Das Auf und Ab geht fröhlich weiter, vorerst aber wieder auf Asphalt. Das Schild zu den McLean Falls gibt 10 Minuten zum Parkplatz an. Es sind rund viereinhalb Schotterkilometer über einen respektablen Berg. Auf die 10 Minuten Fußmarsch, vom Parkplatz zu den Wasserfällen, kommt es dann auch nicht mehr an. Na zumindest sind es echte Wasserfälle und schöne noch dazu.

In Papatowai mache ich eine Pause am Dairy. Zwei Sandwichs und ein Gingerbier füllen den Akku wieder auf.

Auch die Matai Falls sind schön und auch nicht ganz so weit von der Straße weg – für Catlins-Verhältnisse. Aber dieser Berg will kein Ende nehmen. Oben fällt mir die Kameratasche samt Inhalt aus Hüfthöhe hin. Die Gegenlichtblende hat einen kleinen Riss, den ich mit Textilband klebe, ansonsten scheint alles o.k. zu sein. Noch mal Glück gehabt!

Eine rund 6 Kilometer Sackgasse und eine halbstündige Wanderung sind es bis Jack’s Blowhole. Man stelle sich mitten auf einer Schafweide ein etwa 7 Meter durchmessendes und 55 Meter tiefes Loch vor. Tief unten rauscht das Wasser, das durch eine etwa 200 Meter lange Kaverne vom Meer reinströmt. Man muss sich schon ein Stück über den Zaun lehnen, um die Kaverne und das schäumende Wasser zu sehen. Phantastisch! Auch der Blick die Küste entlang und die Ruhe sind beeindruckend. Der Abstecher hat sich gelohnt!

Der Tag endet im Blowhole-Backpackers in Owaka. Das Hostel ist sehr gemütlich. Ich gestehe mir ein, dass ich ganz schön platt bin. Owaka ist ein 450-Seelen-Dorf mit Supermarkt, Café und Galerie.

Strecke in Google Maps anzeigen: Curio Bay - Owaka

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es im Picasa-Webalbum.

   


Owaka - Brighton, 150 km

Die Wettervorhersage war "mostly fine", also überwiegend schön, aber schon des Morgens regnet es.

Mit Regenjacke fahre ich los und entscheide mich, auch die Cannibal Bay "noch mitzunehmen". Zwei knackige Anstiege auf Schotterpiste sind der "Lohn" für einen schönen Strand ohne Tiere und einige malerisch zerzauste Bäume.

Nugget Point

Gegen Mittag erreiche ich Nugget Point. Seerobben und Seeelefanten (elephant seals) sind zu hören, aber nur aus beträchtlicher Entfernung zu sehen. Es nieselt mal mehr, mal weniger stark und alles ist in einen grauen Schleier gehüllt. Der 1869 erbaute Leuchtturm steht malerisch am Ende eines schmalen Kliffs rund 76 Meter über dem Meer. Im gelben Abendlicht soll der Felsen wie ein Goldklumpen (gold nugget) aussehen, bei diesem Nieselwetter tut er es nicht. Aber es ist erstaunlich, wie schön es hier trotz des schlechten Wetters ist. – Nugget Point ist auch die Heimat von Pinguinen, Tölpeln (gannet), Löfflern (spoonbill) und andere Seevögeln.

In Kaka Point gibt es ein kleines Café, in dem ich bei Cappuccino und Muffin überlege, wie’s weiter gehen soll. Das Wetter bleibt schlecht und die Strecken führt nun wieder durch wenig interessantes Farmland. Balclutha hat wenig zu bieten. Die nächsten 22 Kilometer bis Milton gibt es keine Alternative zum Highway 1. Man stelle sich eine viel befahrene Bundesstraße in Deutschland vor. LKW, Busse und Autos rauschen mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei. Es ist die, mit weitem Abstand, unschönste Strecke, die ich in Neuseeland radel.

Von Milton aus wollte ich den Bus nach Cromwell nehmen. Das geht aber gründlich schief. Ich bin frustriert! Bereue meinen Entschluss, die Catlins zu fahren.

Dann lege ich einen Schalter in meinem Kopf um. Setze die Wut in Bewegungsenergie um und fahre wie ein Angestochener Richtung Dunedin. Wenigsten hat es aufgehört zu regnen. In Waihola stärke ich mich im kleinen Dairy mit Sandwich und Joghurt. Ich bekomme den Tipp, doch über die Scenic Route weiter zu fahren. Der Blick in die Karte zeigt tatsächlich eine Nebenstraße direkt an der Küste. Die Straße ist geschottert und führt erstmal etliche anstrengende Kilometer einen Berg hoch. An der Küste angekommen ist die Straße wieder asphaltiert. Wider Erwarten ist die Strecke die Küste entlang sogar richtig schön. Der Verkehr ist kaum der Rede wert. Auch die Sonne ist wieder rausgekommen. Dünen, Strand und Meer bestimmen das Bild. Meine Wut verflüchtigt sich allmählich wieder.

In Brighton gibt es einen kleinen Laden und einen kleinen Campingplatz. Nach einer heiße Dusche falle ich todmüde in die Kiste.

Strecke in Google Maps anzeigen: Owaka - Brighton

Brighton - Ranfurly, 107 km

Zug nach Pukerangi

Der Himmel schimmert rötlich und ist locker bewölkt. Ich radel trocken nach Dunedin rein, die letzten rund 10 Kilometer durch ein hässliches Industriegebiet. – Ich habe aber auch die direkte Strecke gewählt, die Scenic Route wäre länger gewesen, vermutlich aber auch schöner.

Kaum sitze ich im historischen Zug nach Pukerangi, beginnt es zu regnen. Der Zug zuckelt gemütlich durch einige schöne, teilweise sogar recht spektakuläre Schluchten. Schade, dass es regnet. Die alten Wagen haben auf jeder Seite noch einen offenen Bereich, wie man es von Zügen aus Wildwestfilmen kennt. Bei gutem Wetter würde ich sicher dort stehen, den Ausblick genießen und Fotos machen. So lasse ich mich im warmen Restaurantwagen nieder, trinke Kaffee, reinige die Kamera und schaue mir alles von drinnen an.

Im Nieselregen geht es mit dem Rad weiter nach Middlemarch, dem östlichen Startpunkt des Central Otago Rail Trail. Ende des 19. Jahrhunderts fand man in den Bergen Zentral-Otagos Gold. Zur Versorgung der Goldgräbersiedlungen und zum Transport des Goldes nach Dunedin baute man um 1900 eine Eisenbahnstrecke. 1993 kaufte das DOC die mittlerweile verfallende Strecke und baute sie zu einem  Rad- und Fußweg um. Mit mir macht sich eine handvoll Radfahrer mit leichtem Gepäck auf den Weg. In der Broschüre zum Rail Trail ist die Strecke in sechs Teilabschnitte von 19 bis 32 Kilometer Länge unterteilt. Dies alles soll auch Leute ansprechen, die sonst nicht Rad fahren.

Es ist Mittag, als ich in Middlemarch ankomme und so lege ich eine ausgedehnte Pause im gemütlichen Kissing Gate Café ein. Kann ich absolut empfehlen! Der Wetterbericht in der Tageszeitung zeigt den gesamten Süden der Südinsel (einschließlich Mount Cook) unter dicken Wolken. Das versöhnt mich ein wenig.

Langsam wird es heller, und als ich losfahre hört, es sogar auf zu regnen. Es fährt sich ganz angenehm, die vielen Weidetoren, die ich öffnen und wieder schließen muss sind, in einigen Abschnitten etwas nervig. Die Strecke ist anfangs recht schön, aber nicht wirklich spektakulär, wird aber nach und nach immer besser.

Auf dem Campingplatz in Ranfurly treffe ich Lucy aus Schottland und Francis aus Kanada. Lucy arbeitet als Sekretärin, hat aber (mal wieder) gekündigt, um jetzt für sechs Monate mit dem Rad durch Neuseeland zu touren. Francis ist oder war Lehrer und ist bereits seit vier Jahren mit dem Rad unterwegs.

Strecke in Google Maps anzeigen: Middlemarch - Ranfurly

Ranfurly - Cromwell, 138 km

Im E-Central Cafe trinke ich meinen (Morgen-)Cappuccino mit (frisch gebackenem) Muffin. Mir fallen (gemalte) Bilder von Landschaften und Bäckereien auf. Der Besitzer passt dazu, hat sein langes graues Haar zu einem Zopf geflochten. Ich bin immer wieder überrascht, wo es überall gemütliche und wirklich sehr gute Cafés gibt!

Poolburn Gorge

Es ist trocken und recht warm. Die Vögel veranstalten ein großes Konzert. Die Landschaft wird zunehmend spektakulär. Im Bereich Poolburn Gorgeund Manuherikia Valley bestimmen tolle Schieferformationen (schist rock) und wilder Thymian das Bild. Das erfreut die Nase. Aber das Auge ist irritiert, da die Wiesen, die doch eigentlich grün sein müssten, einen bläulichen Touch haben. Auch die zwei Tunnels und die beiden Viadukte machen Spaß.

In Lauder steht ein Café-Wagen in Form einer Lok. Ich stärke mich mit Cappuccino und Karottenkuchen.

Nahe Alexandra hat die Landschaft dann nicht mehr so viel zu bieten. Es ziehen dunkle Wolken auf. Bis Clyde, dem Endpunkt des Rail Trail, bleibe ich trocken. Auf dem Weg in den Ort fängt es an zu nieseln. Clyde ist ganz nett, hat einige historische Gebäude, hervorzuheben sind die Kirche und die alte Post (heute ein Café).

Auf Highway 8 geht es nach Cromwell. Es geht erst am grauen Staudamm vorbei und dann durch die schöne Cromwell Gorge. Es nieselt, ohne Pulli ist es jetzt zu kalt. Zur Sicherheit ziehe ich die Warnweste an, der Verkehr bleibt aber moderat.

Kurz vor Cromwell bessert sich das Wetter wieder. Der Ort ist das Zentrum des (Stein-)Obstanbaus. Daher auch die große Apfel-Birne-Pfirsich-Skulptur am Ortseingang. Einen Kilometer außerhalb bleibe ich aber erstmal in einem riesigen Farmladen hängen und koste mich durch ein Dutzend Honigsorten. Den Ort selber finde ich einigermaßen langweilig. Der Top10-Campingplatz ist o.k., leider ist der Boden recht hart. Ist aber kein Problem, wenn man gute Heringe und stabile Radschuhe hat.

Strecke in Google Maps anzeigen: Ranfurly - Cromwell

Hier einige Impressionen, große Bilder gibt es hier oder in meinem Picasa-Webalbum.

     


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